Nachlese VISZERALMEDIZIN 2016

gleichzeitig Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV)

danke an Prof. Tuchmann für die Zusammenstellung

Magencarcinom, laparoskopisch operiert: Vortrag aus Niederlande: Anastomose Seit-Seit, Ösophagojejunostomie (kommt aus der Adipositaschirurgie!); 32 Lymphknoten entfernt, davon 22 befallen; Flüssigkeit per os am Operationstag

Vortrag Kaya Ludwig: Macht nach Gastrektomie ebenfalls Seit- zu Seit-Anastomose und belässt dabei eine kleine Manschette der Cardia. Meint, wenn diese etwas livide ist, mache es auch nichts!! – heftige Diskussion! Diskussion: In den Niederlanden wird eine PET-MRI gemacht statt eines CAT-Scans; es würde zu viel operiert! – Senninger vermisst die onkologische Exploration.

Sitzung über Reflux: Erfahrungen mit elektrischer Stimulation (Endo-STIM): Etwa 20% aller Patienten kommen dafür in Frage. Erfahrungen mit dem Magenband (LINX): Darf nicht bei großen Hiatuhernien gemacht werden.
Hiatushernien über 2 cm sollen operiert werden (kein Endo-STIM!); 80% Nissen, 20% Toupet.
Es wird Tom De Meester zitiert: Von allen Refluxpatienten werden 1% operiert; allerdings sind 30% mit PPI´s nicht zufrieden.
Bonavina wird zitiert: 44 Fälle in zwei Jahren (LINX); Fuchs (Frankfurt) hat 15 Fälle operiert. Empfehlung, nur Fälle mit minimaler oder keiner Hiatushernie mit LINX versorgen; es ist nur ein Fall einer Penetration des Metallringes bekannt geworden (nicht wie bei AngelChick).
Sehr guter Vortrag von Pointner (Zell am See) über Refundoplicatio: Pointner empfiehlt als Reeingriff immer die Fundoplicatio: Keine Mortalität; er hat lediglich 42 Teilresektionen des Fundus gemacht und 16 Collis-Operationen (Ösophagusverlängerung). Insgesamt hat Pointner 477 Reeingriffe bei 390 Patienten durchgeführt. Indikation war nur die schlechte Lebensqualität der Patienten. Ein zusätzliches Netz hat er ab einer Defektgröße von 5,5 cm2 eingelegt. Es wird Parietex (beschichtet) verwendet; früher hat es schwere Netzkomplikationen gegeben, in diesen Fällen ist das Netz wie zu „Beton“ geworden. Indikationen sind: 1. Reflux, 2. Dysphagie. Der Shortösophagus ist ein Problem. Es gibt eine Metaanalyse von Furnée, J. Gastrointest. Surg. 2009; Letalität 0,9% beim Reeingriff.
Guidelines gibt es von der EAES und der SAGES.
Es gibt noch eine HILL-Klassifikation, die sei gut.
Beat Müller-Stich aus Heidelberg verwendet kein Netz, daher auch kein LINX, weil das ein Metallfremdkörper ist.
Stein aus Nürnberg über Merendino – Operation als letzter Ausweg, … Fundusresektion nach Hunter, die entspricht einer funktionellen Ösophagusverlängerung, also einem Collis, Stein hat 35 Merendino-Operationen gemacht.
Literatur: BJS 2007; 94: 198, Autor: Lundell mit einem 7 Jahre Follow-up.

Sitzung komplexe Hernien: Rezidivhernie (Leiste): Wenn man anterior (z.B. Lichtenstein) operiert hat, dann müsse man posterior (z.B. TAPP) nachoperieren! Umgekehrt: Wenn man posterior operiert hat, kann man auch postoperativ nachoperieren.

Ischämische Orchitis: Diese tritt in 3% bei Lichtensteinoperation auf, in 5% bei Rezidivhernien.
Eine Definition: Fehler = BIAS zum Quadrat + Variabilität…
Dietz (Würzburg) über Narbenhernie: Wir brauchen individuelle (mehrere) Netze.

Gemeinsame Sitzung DGAV und ÖGCH: Vorträge aus Ö: Grünberger, Öfner und Weitzendorfer, aus D: Lang, Piso und Raab über Grenzen der Chirurgie beim metastasierten kolorektlaen Karzinom; 30-40%  5-Jahresüberleben möglich. Extrahepatic disease: Lungen Mets sollen reseziert werden. Peritonektomie sinnvoll. Lokalrezidive nach Vorbehandlung und TME äußerst komplex und mit geringem Erfolg (außer Anastomsoenrezidiv) operabel.

Highlights Viszeralmedizin:
Gastroenterologie und Hepatologie: Hepatitis C: Interferon und Ribavirin.
Primär biliäre Cholangitis (PBC): Das war früher die biliäre Cirrhose, und da gibt es die Obeticholsäure (damit ist Vorsicht geboten!).
Dann gibt es noch Publikationen über NASH; und dann  noch Leitlinien über Cholecystektomie: Akute Cholecystitis mit Gallengangsbeteiligung soll innerhalb von 24 Stunden ERCP erhalten, innerhalb von 72 Stunden soll laparoskopisch cholecystektomiert werden.
Bei biliärer Pankreatitis nach Stabilisierung (2-3 Tage) bereits laparoskopische Cholecystektomie, weil später (3-4 Wochen Wartezeit) viel schlechtere Ergebnisse erzielt werden, z.B. rezidivierende Kolik in 50%.

Pankreascarcinom: Neoptolemos wird zitiert: Eine Kombination von Gemcitabine und Capecitabin gibt eine 5-Jahresüberlebenszeit von 28% gegenüber 16% bei Gemcitabine allein.
Frühdiagnose des Pankreascarcinoms: Es gibt einen Tumormarker, das sogenannte Cell-Free-DNA.
Neuroendokrine Tumore: Da gibt es Everolimus.
In der Diskussion sagt Germer: 2 Millionen Menschen kommen in Deutschland für eine Adipositasoperation in Frage, aber nur 10 000 pro Jahr können operiert werden. Das sei ein Skandal!

Vortrag Prof. Ghadimi über Highlights aus der Ösophagus- und Magenchirurgie:
Beim Ösophaguscarcinom gibt es eine multimodale, neoadjuvante Studie (CROSS-Studie) aus Holland, 800 Fälle, neoadjuvant versus nur Operation; beim Plattenepithelcarcinom sind die Unterschiede größer zu Gunsten der neoadjuvanten Gruppe.
ESOPAC-Studie (noch von Prof. Hopt eingebracht), mit der Fragestellung, ob eine Radiotherapie allein reicht, gegenüber einer neoadjuvanten Radio- und Chemotherapie?
Studie aus Schweden (Lagergren): 1800 Ösophagektomien, die Mortalität ist von 8 auf 3% zurückgegangen durch Zentrumsbildung (mehr als 15 Resektionen pro Jahr).

Rektumcarcinom: Hier ist eine Studie bemerkenswert ob ein Watch and Wait beim Rektumcarcinom allein reicht, wenn es durch Radiochemotherapie zu einer kompletten Remission gekommen ist.
Complete Response 30/260 !!!; ein kleiner Tumor reagiert besser, ein gut differenzierter Tumor reagiert auch besser auf die neoadjuvante Therapie.
Was ist die beste Latenzzeit zur Operation?: In Göttingen sind es 4-5 Wochen; beim Ösophagus sollte man möglichst lange warten.

Laparoskopische versus offene Operation (Rektum): Studie in New England Journal of Medicine: Kein Unterschied, beim Stadium III ist laparoskopisch etwas besser; beim tiefen Rektum ist laparoskopisch echt besser! In der Diskussion wird die Color II-Studie zitiert (Heidi Nelson): Vorsicht mit Laparoskopie!
Dann gibt es noch eine Arbeit von Lagergren, in der gezeigt wird, dass am Montag und Dienstag operierte Patienten bessere Ergebnisse haben als am Mittwoch, Donnerstag oder Freitag operierte (!?).

Highlights der Endoskopie-Publikationen: Barrett: ESD ist nicht besser als EMR, hat aber mehr Komplikationen.

Für die Darmvorbereitung ist eine Split-Dose besser!
Coloskopie-Screening (n=90 000) in Skandinavien, Niederlande und Polen: CO2 ist besser als Luft, weil CO2 rascher resorbiert wird.

Sitzung der CAMIC, How i do it:
Fürst aus Regensburg über konventionelle laparoskopische Rektumresektion; da gibt es ein Video in Langenbecks Archivs für Chirurgie.
Ein Herr PD Dr.Mann aus Bochum über Robotic-Rektumresektion; er braucht kein TA-TME.

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