Hb-Trigger und restriktive Transfusionsstrategie

Von Heinz Wykypiel

Schon länger aktuell: Der Threshold für Bluttransfusionen! Im Alltag merkt man jedoch noch einen sehr heterogenen Zugang zu dem Thema, nicht nur bei Chirurg(in)en, auch bei Anästhesist(in)en… Die vorliegende Arbeit (Nature 520, April 2015) beschreibt den Kultur-Wandel bei der Indikationsstellung zur Transfusion und fasst die bisherige (fast durchgehend erdrückende) Evidenz zusammen. (Der Threshold von Hb 10g/dl stammt übrigens aus 1942!)
1.) Niedrigere Hb-Thresholds zur Transfusion sind mit einem besseren Gesamtoutcome behaftet (Liegedauer, Mortalität, Infektionen, 30d-Wiederaufnahmerate). Zwischen 2007 und 2014 erschienen 6 grosse RCTs zum Thema (sept.Schock, Schädel-Hirn Trauma, GI-Blutung, Pädiatrie, Herzchirurgie, Hüft-TEP), einzig bei „Major Surgery for cancer“ scheinen liberalere Tranfusionsstrategien (<Hb 9g/dl) einen Vorteil zu bringen (deAlmeida JP Anesthesiology 122, 29-38 (2015), n=198, RCT, prim.Endpunkt Morbid. und Mortal., <7 vs. <9Hb, abs. risk red. 16% (3,8-28,2%), number needed to treat 6,2 (3,5-26,5)), bei den restlichen wird <Hb 6-7g/dl als ideal betrachtet.
2.) Unnötige Bluttransfusionen stellen einen massiven Kostenfaktor dar.
3.) Die Qualität transfundierter ERys ist nicht die gleiche („storage lesion“: schlechtere Sauerstofftransportkapazität und unelastischere Membranen).
4.) Zudem spielen Immunologische („Blood is analogous to a liquid organ transplantation“) Faktoren, welche in erhöhter Infektanfälligkeit münden können, eine Rolle.

http://www.nature.com/polopoly_fs/1.17224!/menu/main/topColumns/topLeftColumn/pdf/520024a.pdf

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