Abdominelles Kompartmentsyndrom

Der intraabdominelle Druck (IAP) bewegt sich physiologischer Weise unterhalb von 5 mmHg, ist atemabhängig (beim Husten und bei der Bauchpresse) und kann bei morbid adipösen Patienten und Schwangeren erhöht sein, erreicht aber nie Werte über 12 mmHg. Es besteht Konsens (2-3) darüber, dass der IAP über die Harnblase bei vollständig entleerter Harnblase, in Expiration bei flacher Rückenlage des Patienten gemessen wird. Der IAP bestimmt zusammen in Analogie zum Hirndruck mit dem mittleren arteriellen Druck (MAP) den Perfusionsdruck (APP) der intraabdominellen Organe (APP = MAP-IAP). Der bei einem normalen Blutdruck für die regelrechte Versorgung der intraabdominellen Organe benötigte MAP von 65 mmHg wird nicht erreicht, wenn der IAP Werte über 12mmHg erreicht. In diesem Fall (IAP >12mmHg) spricht man von einem abdominellen Hochdruck (IAH), steigt der IAP bei mehrfachen Messungen über 20 mmHg und kommt mindestens eine Organdysfunktion hinzu, das ist in ca. 30% der IAH der Fall, ist definitionsgemäß ein abdominelles Kompartmentsyndrom (ACS) gegeben. Der IAP wird in Graden eingeteilt (Abb 1). Der IAP entsteht dadurch, dass neben dem rigiden Anteil der Bachhöhle die beweglichen, dynamischen Anteile nur eine gewisse Dynamik zulassen. Diese Compliance der Bauchdecke kann durch vermehrte intrabdominelle Flüssigkeitsansammlungen (Blut beim Trauma oder Azites etc.) und vornehmlich durch Entzündungen dekompensieren. Daher unterscheidet man die hyperakuten Form, die für Sekunden beim Sport, Husten, Lachen, oder Defäkation etc. auftritt und ohne Krankheitswert ist, eine akute, die innerhalb von Stunden zum Beispiel bei Blutungen oder iatrogene Tamponade auftritt, von einer subakute Form durch intraabdominelle Flüssigkeitsverschiebung bei Sepsis und von einer chronische Verlaufsform, wie sie bei Schwangerschaft, Adipositas, großen abdominellen Tumoren, oder Aszites vorkommt. Bei der letzteren Form haben sich die intraabdominellen Organe an den Hochdruck adaptiert, eine akute Exazerbation ist aber möglich.

Grad 1: IPA 12-15mmHg
Grad 2: IPA 16-20mmHg
Grad 3; IPA 21-25mmHg
Grad 4: IPA >25 mmHg

AKS

 

Ein Gedanke zu „Abdominelles Kompartmentsyndrom

  1. Tuchmann

    Beitrag über abdominelles Compartement-Syndrom finde ich didaktisch sehr gut, kurz , prägnant, anschaulich illustriert, und auch praktisch, insbesonders, welche Drucke für welche Situation relevant sind.

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