Luschka Gallengang

*1820 † 1875, Tübinger Anatom. Beschreibt in seinem bekannten Anatomiebuch 18631 verschiedene Organe. Auf den Seiten 256 und 257  geht er auf tubuläre Strukturen ein, die einerseits intramurale Drüsen (später Luschka-Krypten genannt) mit Einmündung in die Gallenblase und andererseits ein Netzwerk feinster Gallengänge um das Gallenblasengewebe darstellen. Daraus entwickelte sich die Anschauung, dass aberrante Gallengänge, die in die Gallenblase münden, die Luschka Gänge sind. Weiters ist ein Abfluss einer Hirnkammer nach ihm benannt.

Heute sollten diese Anomalien der Gallenwege nahe der Gallenblase als subvesikalen Gallenwege bezeichnet werden.

Typisch an den akzessorischen Gallengängen - die am ehesten dem Luschka-Gang entsprechen ist, dass sie kleinkalibrig (ø<1mm) sind,  eher tief im Gallenblasenbett verlaufen, nicht von Arterien oder Pfortaderästen begleitet sind und keine wesentlichen Parenchymabschnitte drainieren. Sie sind häufig anzutreffen (30%). Sie haben niemals eine Verbindung in die Gallenblase, im Gegensatz zu den hepatikocholecystischen (oder auch zystohepatischen genannten) Gallenwegen.2-5  Schon  Couinaud6  hat darauf hingewiesen, dass diese Gänge von den häufigen Variationen der ableitenden Gallenwege, nämlich den „echten“, die die Segmente der Leber drainieren, zu unterscheiden sind!  Die Variablität der Gallenwege erhöht das Risiko einer iatrogenen Verletzung bei der laparoskopischen Cholezystektomie. Verletzungen des Luschka Ganges führt zu Cholaskos und zur Relaparotomie, -skopie. Die Gänge können einfach umstochen werden. Im Gegensatz dazu müssen zystohepatische Gänge - je nachdem wie viel sie an Leberparenchym drainieren, rekonstruiert werden.

Heute werden sollten folgende Formen (Typen) von subvesikalen Gallenwegen beschrieben:5

  1. segmentale oder sektorale  subvesikale Gallenwege
    untypisch nahe im Gallenblasenbett verlaufend, oder die Gallenbalse selbst liegt tief in der Leber. Meist ein Gang der die rechts posterioren Lebersegmente drainiert oder einen sektoralen Abschnitt. Eher häufig
  2. Akzessorische subvesikale Gallenwege
    zusätzlicher Gallenweg, die rechts posterioren, aber auch rechts anterioren Segmente drainierend. Wahrscheinlich der häufigste Typ
  3. Hepatikocholecystische (subvesikale) Gallenwege
    Gallenweg direkt in die Gallenblase mündend. Meist sektoral drainierend. Seltener als  angenommen
  4. Aberrante subvesikale Gallenwege
    Netzwerk an kleinen Gallenwegen im Gallenblasenbett, teils blind endend. Selten.

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  1. Luschka H Die Anatomie des Menschen in Rücksicht auf die Bedürfnisse der praktischen Heilkunde bearbeitet. Die Anatomie des menschlichen Bauches. Tübingen: Laupp; 1863;2(1):235-263
  2. Champetier J et al: Abberant Biliary ducts (vasa aberrantia): Surgical implications. Anat Clin 4:137-145, 1982 
  3. Javors BR et al. Cholangiographic demonstration of the cholecystohepatic duct of Luschka. Abdom Imag 23:620-621, 1998 

  4. Jamshidi M et al: Post-laparoscopic cholecystectomy bile leak secondary to an accessory duct of Luschka. Int Surg 84:86-88, 1999 
  5. Schnelldorfer T et al. What is the Duct of Luschka?—A Systematic Review J Gastrointest Surg (2012) 16:656–662 
  6. Couinaud C Intrahepatic biliary ducts, in Couinaud C (ed): Surgical Anatomy of the Liver Revisited. 15, rue spontins, F75116, Paris. 1989, 60-74

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